30/08/2026 0 Kommentare
„Ich bleibe euch treu, bis ihr alt seid“
„Ich bleibe euch treu, bis ihr alt seid“
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„Ich bleibe euch treu, bis ihr alt seid“
„Wenn Ältere einsteigen, dann bietest du ihnen deinen Platz an.“ Diese Regel lernte ich schon früh bei den ersten Fahrten in Bus und Bahn. Damit wird nicht nur Höflichkeit und Achtsamkeit, sondern vor allem Respekt ausgedrückt.
Spannenderweise finden wir bereits im Alten Testament Spuren davon, dass Kindern (auch schon lange vor dem ÖPNV) dieser Respekt beigebracht wurde: So lesen wir im 3. Buch Mose „vor ergrautem Haar sollst du aufstehen und einen Alten sollst du ehren.“ (Lev 19,32). Die Unterschiede zwischen Jung und Alt in der Gesellschaft waren damals deutlich spürbar. Dabei kam den Alten vor allem die Rolle des Lehrens zu, schließlich verfügen Alte über Weisheit, also einen reichen Erfahrungsschatz.
Ein hohes Lebensalter war aber nicht nur ein Zeichen für ein hohes Maß an Weisheit, sondern wurde verstanden als Lohn für ein frommes Leben. Dies wird insbesondere ersichtlich am idealisierten Lebensalter einiger biblischer Figuren: Neben dem sprichwörtlich uralten Methusalem, der 996 Jahre alt sein soll, gibt es aber auch nach der Begrenzung der Lebenszeit noch einige Glaubensvorbilder, wie Josef, der 110 Jahre alt wurde.
Die Bibel schweigt daneben nicht über alles Schwere, das das Alter auch mit sich bringt. Die neuen Herausforderungen des Älterseins reflektiert der Beter des 71. Psalms: Er erbittet weiterhin Schutz und Stärkung von Gott, gerade wenn er schwach wird. Zum Altern gehört auch schlechteres Hören, Sehen und Schmecken, wie die Bibel weiß. Wenn immer weniger so geht, wie es vorher einmal war, steigt auch die Abhängigkeit von jüngeren Familienmitgliedern, wie im Buch Rut erzählt wird.
Die Bibel bietet also auch zum Altwerden eine Botschaft darüber, die alle Situationen und Generationen überdauert – bis heute:
Gott ist da, in den Freuden des Alterns, wenn Erfahrungen reicher werden, ebenso wie die grauen Haare; wenn man mit Geschichten von früher glänzen kann. Gott ist da, in den Leiden des Alterns, wenn Freundeskreise kleiner werden, wenn schwindende Lebensenergie einen erblassen lässt, wenn Gedanken trüb werden. Denn Gott spricht: „Ich bleibe euch treu, bis ihr alt seid. Ich trage euch, bis ihr graue Haare habt. Das habe ich getan und werde es weiter tun.“ (Jes 46,4)
Vikarin Annemarie Bruhn
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