Ich bin dabei!

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Ich bin dabei!

In den Gottesdiensten unserer Sommerkirche haben wir uns damit beschäftigt, was die Namen der Kirchen in unserem Nachbarschaftsraum verraten. „Frieden und Versöhnung“, das ist einfach. „Dreifaltigkeit“ ist schon dreifach. Aber dann kommen die persönlichen Namen dran: Unser Evangelist Matthäus ist bekannt, aber wer bitte war „Cyriakus“ in Rödelheim und welcher „Jakobus“ ist mit der St. Jakobskirche in Bockenheim gemeint? 

In der St. Jakobskirche wird die Tradition, die von Jakobus berichtet, in den Buntglasfenstern von Charles Crodel eindrücklich dargestellt.

Dabei kann man Jakobus gut erkennen – er trägt die auffällige Pilgerkleidung mit dem merkwürdigen Hut. Das Spannende dabei ist, dass der Künstler sowohl die biblischen Geschichten als auch die späteren Heiligenlegenden in Bildern zeigt. Und je weiter die Überlieferung geht, desto wundersamer werden die Berichte. Dieser Jakobus wird dann zum „Apostel Spaniens“, er wird der Schutzpatron der Pilger, und der berühmteste aller Pilgerwege nach Santiago de Compostela ist nach ihm benannt, der Jakobsweg. Dieser St. Jakobus greift aber auch in das politische Geschehen ein – eine Legende bezeichnet ihn als „Maurentöter“, also Kämpfer gegen die Eindringlinge aus Nordafrika. Es wird immer legendärer, immer mächtiger, immer gefährlicher, immer merkwürdiger!

Dabei zeichnen die biblischen Bilder einfach einen der Jüngerinnen und Jünger. Einer, der als Fischer am See Genezareth gerufen wurde. So wie sein Bruder Johannes und wie Simon und dessen Bruder Andreas. „Folgt mir nach“, hatte Jesus gerufen und diese Leute sind ihm nachgefolgt und waren bei ihm. Jakobus war einer der Jünger. Und die Jünger waren keine Heiligen im Sinn besonderer Glanztaten und Wunder, sondern menschlich und fehlerhaft. Einmal führt Jesus vier der Jünger auf einen hohen Berg, auch Jakobus, und dann zeigt der Himmel, wer Jesus ist: „Mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“. Die Jünger, namentlich dabei auch Jakobus, reagieren peinlich daneben. Hier könnten wir bleiben, Hütten bauen. Sie haben es nicht kapiert. Der Himmel zeigt Liebe und Größe und sie träumen vom Schrebergärtchen mit Grill und Kaltgetränken. Und am Abend vor seiner Verhaftung im Garten Gethsemane bittet Jesus die Jünger, dass sie wach bleiben und mit ihm beten. Doch nicht mal das schaffen sie. Sie schlafen immer wieder ein. Sie halten den Weg nicht aus, den Jesus für sie geht. 

Und trotzdem. Sie sind Jesus-Leute – sie waren bei Jesus von Nazareth. Gleich darauf wird eine Magd am Feuer in der Nacht Petrus ansprechen. „Du warst doch auch mit dem Jesus von Nazareth“. Diese Menschen sind keine „Heiligen“, sie sind das wundersame Zeichen dafür, dass Gott mit solchen Leuten neu anfängt, die nicht auf eigene Stärke, Frömmigkeit, Tugenden, Glaubenstreue, Intellekt und Willenskraft setzen, sondern die trotz aller Fehler und Peinlichkeiten nichts anderes sein wollen, als „bei diesem Jesus von Nazareth“ sein. Denn bei ihm geht es anders zu. 

Da ist Vergebung, wo sonst die Schuld aufgerechnet wird. Da ist ein gedeckter Tisch, wo sonst sortiert wird, wer darf dazu und wer nicht. Da ist Lachen und Hoffnung, wo sonst nur Sorgenmienen sind.

Wer bei diesem Jesus von Nazareth ist, spürt – hier fängt Gottes Reich an und ich darf dabei sein, ein Teil davon sein!

In diesem Heft geht es um „Ich bin dabei – neues Ehrenamt“. Man kann an so vielen Stellen in unsere Stadt ehrenamtlich tätig sein. In Vereinen und Hilfsorganisationen, im Sport, bei den Tafeln, im Schutz der Natur – und unsere Zivilgesellschaft lebt davon. Ehrenamt gibt es auch in der Kirche – und wir versuchen, das Ehrenamt neu zu definieren. Auf Zeit und gemessen an dem, was jemand gut und gerne geben kann. Nicht überfordernd, aber gern herausfordernd. 

 

Und was wäre das Besondere dabei? Dass man hier nicht für den Erhalt der Organisation arbeiten, sondern erleben soll: 

„Ich bin bei diesem Jesus von Nazareth.“ Ich will kein Heiliger und keine Heilige sein, aber etwas beitragen von dem, was mir schon lange geschenkt wurde. Und dabei für andere Werte einstehen, nicht mit großen Worten, sondern mit kleinen Taten. So will ich „dabei sein“. 


Das zeigt mir diese Geschichte von Jakobus – Überzeichnungen gibt es immer: Getrieben von Geltungssucht und Machthunger – und wir müssen das immer wieder ablegen. Und schauen, was es ist. Menschen, die bei Jesus von Nazareth sein wollen – und etwas tun in der Liebe. Ich bin dabei!

 

Wir wünschen Ihnen beim Entdecken viele gute Erfahrungen!

Ein herzlicher Gruß

Ihr

Andreas Klein 

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