25/09/2025 0 Kommentare
Neuer Bio-Pop-Up-Markt im Gutleutviertel
Neuer Bio-Pop-Up-Markt im Gutleutviertel
# Ho Blog-Archiv

Neuer Bio-Pop-Up-Markt im Gutleutviertel
Neuer Bio-Pop-Up-Markt im Gutleutviertel
Ein Bericht von Stephanie von Selchow
Bunte Wipfel zwischen Bäumen, Menschen mit großen Taschen, Beuteln oder Rucksäcken, leise Gitarrenmusik und Lieder auf der Querflöte: Es könnte eine verträumte Stimmung auf einem südfranzösischen Markt sein. Ist aber mitten in der Stadt, im Hof der Kaffeestube Gutleut. Hier findet an diesem Donnerstag ab halb sechs zum ersten Mal ein Bio-Pop-up-Markt statt. Buntes Gemüse und Obst, Käse, Fisch und Fleisch liegen nicht aus, sondern stattdessen stehen Papiertüten und Kühlboxen auf den Tischen. Im Hintergrund spielen Fred Lohr und Solisten von der freien Musikschule im Viertel.
„Ich möchte, dass die Menschen sich bei uns wohlfühlen“, sagt Initiatorin Katrin Groth bei der Eröffnung. Sie lebt seit September im Gutleutviertel und vermisste, wie viele ihrer Nachbarinnen und Nachbarn, einen Markt, zumal es auch nur einen Supermarkt vor Ort gibt.
Deshalb schloss sie sich zusammen mit zwei Freundinnen der Initiative „Marktschwärmerei“ an, die 2011 in Frankreich gegründet wurde. Dort firmiert sie unter dem Namen „La Ruche, qui Dit Qui (Der Bienenkorb, der Ja sagt“). In Deutschland heißt es „Schwärmerei“: „Für nachhaltige Lebensmittel schwärmen, die gute Idee immer mehr ausschwärmen und Schwärme von Menschen anziehen – da sind viele Assoziationen möglich“, sagt Groth lächelnd.
Die Idee hinter dem Konzept: Die angebotenen Lebensmittel stammen ausschließlich von bäuerlichen Erzeugern und kleineren Herstellern aus der unmittelbaren Region. Groth hat nur Erzeuger angesprochen, die nicht mehr als 18 Kilometer entfernt leben. Der neue Wochenmarkt funktioniert hybrid: Unter www.marktschwaermer.de kann man online bis Dienstagabend direkt bei einem der 14 Erzeugerinnen und Erzeuger vorbestellen und bezahlen, und ab jetzt jeden Donnerstag zwischen 17.30 und 19 Uhr bequem nach der Arbeit in der Kaffeestube abholen.
„Das ist wirklich nachhaltig“, sagt Shirley Lazar vom Hofladen „Junges Gemüse“ aus Rüsselsheim-Bauschheim, wo es seit 2020 auch schon eine Schwärmerei gibt. „Dank der Vorbestellung können wir exakt planen, vermeiden unnötige Kühl- und Transportkosten und müssen keine Lebensmittel entsorgen. Ganz abgesehen davon, dass wir in Frankfurt neue Kunden gewinnen. “
Erzeuger, wie etwa auch die Hungener Käsescheune oder Barramundi-Aquakultur, die über die Marktschwärmerei Produkte anbieten, verpflichten sich zu einer transparenten Darstellung ihrer Anbau- und Herstellungsmethoden. „Wenn ich weiß, woher meine Lebensmittel kommen und wer sich dafür einsetzt, schätze ich sie doch viel mehr“, sagt die 38-jährige Pia Katzenberg, die gerade einen großen Beutel Gemüse abgeholt hat. Sie wohnt um die Ecke, in der Schleusenstraße und hat über ihre Hausgemeinschaft von dem neuen Markt erfahren. „Ich meckere schon seit Jahren darüber, dass es hier bei uns keinen Markt gibt“, sagt sie. „Endlich! Und die Preise sind fair – nicht vom Discounter gedrückt, sonder gerecht.“
„Als Quartiersmanagement und Nachbarschaftsverein uns angesprochen haben, haben wir schnell zugesagt“, sagt Pfarrer Andreas Klein von der Hoffnungsgemeinde. „So kann die Gemeinde zur Verbesserung der Lebensqualität im Viertel beitragen. Ab 15 Uhr ist die Kaffeestube zu, dann können wir Hof und Räume zur Verfügung stellen. In normalen Zeiten bieten wir hier an vielen Nachmittagen und frühen Abenden Sozialberatung an. Wenn man sich im Stadtteil engagiert, kommt immer auch etwas zurück.“
Beim ersten Pop-Up-Markt im Gutleutviertel haben 50 Menschen vorgebucht. Auch die erste „Marktschwärmerei“ in Fechenheim, die jetzt immer mittwochs in der Kuchenmanufaktur Mathilda Glaskuchen im Casellapark Abhol-Tüten bereitstellt, lief gut an. „Wir würden uns freuen, wenn das auch in anderen Stadtteilen Frankfurts Schule macht“, sagt Groth.
Kommentare