20 Jahre Hoffnungsgemeinde – die Geschichte zum Triptychon

20 Jahre Hoffnungsgemeinde – die Geschichte zum Triptychon

20 Jahre Hoffnungsgemeinde – die Geschichte zum Triptychon

# Ho Hoffnungszeichen

20 Jahre Hoffnungsgemeinde – die Geschichte zum Triptychon

Wir machen im ausklingenden Jubiläumsjahr 2023 »20 Jahre Hoffnungsgemeinde« nochmal einen geschichtlichen Rückblick und wollen dieses Mal die über die (Wieder-) Entdeckung unseres Altarbildes berichten.  

Im Seitenschiff der ursprünglichen, 1905 geweihten Matthäuskirche fanden vor einem dreiflügeligen Altarbild, dem sogenannten Triptychon, Andachten statt. Geöffnet verdeckte dieses Altarbild die Sakristeitür. So störte es nicht, wenn diese offen war, was dem Pfarrer wichtig war. Das Triptychon fand auch nach den Wirren des zweiten Weltkriegs, und trotz Zerstörung der ursprünglichen Matthäuskirche, seinen Weg in die neue Matthäuskirche. Woher es kam oder wie alt es war, wusste bald niemand mehr zu sagen.  

Im Oktober 2007 kam Robrecht Janssen (geb. 1987) als Erasmus-Stipendiat für Kunstgeschichte für ein Jahr nach Frankfurt zu Professor Dr. Jochen Sander (Stellvertretender Direktor des Städel Museums). Herr Janssen hatte bei mir ein Studentenzimmer gemietet. Da man in der Gemeinde gar nichts über das Altarbild wusste, bat ich ihn, sich dieses Altarbild einmal anzusehen. Als er als Seminararbeit ein Werk ohne Signatur einem Künstler zuordnen sollte, wählte er unser Altarbild aus und führte eingehende Recherchen durch.  

Im geschlossenen Zustand sind auf den Seitenflügeln ein Mann und eine Frau zu sehen. Wir Protestanten rätselten, wer sie sein könnten. Der katholische Student erkannte an den Attributen Johannes den Täufer und Elisabeth von Thüringen. Über den abgebildeten Wappen fand er die Stifterfamilie des Triptychons. Es waren Johannes und Elisabeth Hallincq, geb. Boogaard. Die Familie Hallincq, einst Wollhändler, lebte in Dordrecht, dem damals wichtigsten Überseehafen im Rheindelta; mit Stapelrecht der Waren von Maas und Rhein. Die Familie Hallincq stellte meist den Bürgermeister und unterhielt das Krankenhaus. Das Altarbild war das für alle sichtbare Zeichen des Wohlstandes dieser Familie. Die Kleidung der Personen unter dem Kreuz ist ebenso prächtig wie damals in Venedig, dem Handelspartner Dordrechts. Im Museum von Dordrecht hängen Einzelportraits der Familie Hallincq, von denen es hieß, sie seien Kopien aus einem verschollenen großen Werk. Es stellte sich heraus, dass Herr Janssen, damals in seinen frühen Zwanzigern, der »Entdecker« dieses verschollenen großen Werkes werden sollte: unserem Triptychon.  

Herr Janssen fand heraus, dass das Bild zwischen 1527 und 1529 gemalt wurde. Es hing wahrscheinlich in der Kirche Dordrechts, im Krankenhaus oder im Privathaus der Familie, die 1753 erlosch. Dadurch kam es wohl in den Kunsthandel und um 1910 ins Wohnhaus von Karl Schmidt (Kettenhofweg 111), der das Silberwaren-Geschäft am Roßmarkt betrieb, und seiner Schwester, Johanna Bouisson, geb. Schmidt. Frau Bouisson stiftete es schließlich 1913 der Matthäuskirche.

In seiner Diplomarbeit schrieb Herr Janssen das Werk Jan Swart von Groningen zu. Das ist unter Kunsthistorikern mittlerweile umstritten. (Unser Altarbild ist ein so bedeutendes Werk, dass sich Kunsthistoriker darüber streiten!)  

Als wir im damaligen Kirchenvorstand durch Herrn Janssens Arbeit erfuhren, wie alt und wertvoll das Triptychon war, gaben wir es dem Städel-Museum als Leihgabe ab, um es für alle erhalten zu können. Der Matthäuskirche ist es in Form einer Videoinstallation erhalten geblieben.  

Mich persönlich freut es, dass durch die Entdeckung dieses verschollenen großen Werkes, Herr Janssen, dessen Eltern keine Akademiker waren, beruflich dadurch richtig durchstarten konnte und nach wie vor beruflich einen sehr guten Weg macht.

 

Gisa Stratemann

Am 25. Januar 2024 können wir das Triptychon im Städel besichtigen. Nähere Infos und Anmeldung unter: 

https://landing.churchdesk.com...

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