25/09/2025 0 Kommentare
Dankbar – #dnkgtt
Dankbar – #dnkgtt
# Ho Impulse

Dankbar – #dnkgtt
Was brauchen Sie, um dankbar zu sein?
Bitte ankreuzen (Mehrfachnennung möglich)
- einen gesunden Körper
- Falten im Gesicht
- einen vollen Kühlschrank
- einen Apfel
- einen festen Job
- eine sinnvolle Beschäftigung
- einen großen Freundeskreis
- allein sein
Ertappt. Ja, Sie sind reingefallen! Sie haben – wenn auch nur einen kurzen Augenblick – darüber nachgedacht, wie sich Dankbarkeit messen lässt. Für einen gesunden Körper bin ich mehr dankbar als über einen gebrochenen Fuß, für glatte Haut mehr als für Falten, für einen großen Freundeskreis mehr als für eine Stunde allein mit mir selbst?! Sie merken es selbst: Diese Rechnung geht nicht auf. Dankbarkeit lässt sich nicht messen und nicht vergleichen. Sie fühlt sich für jeden und jede unterschiedlich an. Sie wohnt zwischen Bauch und Herz und ist in ganz unvermuteten Momenten auf einmal da. Dankbarkeit, dieses wohlig runde Gefühl, das mir ein Lächeln auf die Lippen zaubert.
Mittlerweile haben sogar die Krankenkassen das Thema für sich entdeckt. Auf der Homepage einer bekannten gesetzlichen Krankenkasse lese ich: Dankbarkeit trage zu psychischer Gesundheit bei, es stärke das seelische Wohlbefinden und festige die Beziehung zu anderen. Das klingt erstmal gut – und trotzdem stutze ich. Denn ich frage mich: An wen richtet sich denn der Dank? An den eigenen Körper? Oder gar an die Krankenkasse, dass sie meine Arztrechnungen bezahlt?
Als Christin habe ich eine klare Adresse für meine Dankbarkeit. Ich nenne sie Gott, die Schöpferkraft, die mir das Leben eingehaucht hat, die Ewige, die mich auch nach meinem Leben erhalten wird.
Davon singt auch ein bekanntes Lied aus dem evangelischen Gesangbuch: Nun danket alle Gott, mit Herzen Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zu gut bis hierher hat getan. (EG 321) Das Lied wird meistens mit voller Registratur der Orgel begleitet. So muss sich wohl Dank anhören: Laut und vollmundig, und ein bisschen altmodisch. Bis heute ist das Lied ein Kirchenschlager und wird gern bei Hochzeiten und Taufen, ja manchmal sogar bei Trauerfeiern gesungen.
Offen gesagt habe ich das Lied lange Zeit nicht besonders gemocht. Denn Dankbarkeit zeigt sich für mich eben gerade nicht in den „großen Dingen“, die ich an allen Enden erfahre. Dankbar bin ich vielmehr für kleine Begebenheiten in meinem Leben: für eine reife Tomate im Garten, für das aufmunternde Gespräch mit einer Freundin, für einen Tag ohne Schmerzen im Rücken.
Der Dichter Martin Rinckart hat das Lied „Nun danket alle Gott“ 1636 geschrieben, 1647 hat Johann Crüger die Melodie dazu komponiert. Das war mitten im Dreißigjährigen Krieg. Bei genauem Hinsehen merke ich: Das Lied wurde nicht in einer Blütezeit des Lebens geschrieben, sondern in einer Zeit der Dürre und Verlorenheit, mitten in der Krise eines verheerenden Krieges. Die „großen Dinge“, von denen im Lied gesungen wird, sind der Dank für das ganze Leben „von Kindesbeinen an“. Die Bewahrung durch Leid hindurch, der Schutz vor Gefahr – trotz Krieg und Schrecken. Zart und zerbrechlich klingt hier die Dankbarkeit durch, vorsichtig tastend. Als Instrument wäre für das Lied wohl eher eine Harfe oder Flöte geeignet als eine Orgelregistratur mit 16-Fuß.
In der Coronazeit hat der katholische Jesuitenorden eine Kampagne ins Leben gerufen. Sie trägt die Überschrift: „Trotzdem dankbar!“ In der Spiritualität der Jesuiten, die auf deren Gründer Ignatius von Loyola im 16. Jahrhundert zurückgeht, ist die Dankbarkeit ein wichtiger Baustein. Am Abend ist das Gebet der „liebenden Aufmerksamkeit“ eine Möglichkeit, den Tag zu beschließen. Ich habe mir das zu eigen gemacht und denke am Abend gern an die Dinge, die am Tag schön waren. Eine bewegende Trauerfeier auf dem Hauptfriedhof, ein Moment Kuscheln mit den Kindern auf dem Sofa, eine Scheibe frisches Brot mit Butter und Salz. Diesen Dank richte ich nicht an mich selbst, nicht an meine Familie oder Kollegen, sondern schicke diesen Ge-Danken als Abendgebet zum Himmel.
Dieser Moment Dankbarkeit blendet die Anstrengungen in Beruf und Familie nicht aus. Er täuscht nicht darüber hinweg, dass mich vieles am Tag Kraft gekostet hat.
Dieses „Danke“ richtet mich neu aus und macht mich durchlässig für Gottes
Gegenwart in meinem Leben.
Bei einem Instagram-Post verwende ich für so einen Dank gern den Hashtag #dnkgtt. Hier fehlen die beiden Vokale a und o, die den Schriftzug zu #dankgott ergänzen würden. Für mich liegt in diesem Hashtag das Geheimnis Gottes verborgen, dem ich so vieles in meinem Leben verdanke. Gott, das A und das O, der Anfang und das Ende.
Ich wünsche Ihnen einen dankbaren Blick auf Ihr Leben
– trotz und in allem!
Ihre Pfarrerin Annegreth Schilling

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