20 Jahre Hoffnungsgemeinde - eine mutige Vision für 2043

20 Jahre Hoffnungsgemeinde - eine mutige Vision für 2043

20 Jahre Hoffnungsgemeinde - eine mutige Vision für 2043

# Ho Hoffnungszeichen

20 Jahre Hoffnungsgemeinde - eine mutige Vision für 2043

Wie könnte die Hoffnungsgemeinde in 20 Jahren aussehen? Welche Menschen, Geschichten und Orte prägen die Gemeinde? Annegreth Schilling hat einen Blick in die Zukunft gewagt und von der „Oase“ geträumt, die die Hoffnungsgemeinde im Jahr 2043 zusammen mit anderen sein könnte.  

Alina sitzt auf dem Platz der Hoffnung. Die Sonne scheint in ihr Gesicht, es ist ein Frühsommertag. In der Hand hält sie eine Tasse Kräutertee. Nachdem sich die Kaffeepreise in den letzten Jahren verzehnfacht haben, trinkt sie nur noch einmal in der Woche einen Kaffee, und zwar am Sonntag um 12 Uhr, nach dem Gottesdienst.

Heute ist Freitag. Alina wartet auf Lieferung für die „Oase“. Ein Restaurant für Alle, in dem sich Geschäftsleute, Rentner, Menschen ohne Einkommen, Studierende und Messeleute zum Essen treffen. Die 33-jährige liebt diesen Ort und wie er sich über die Jahre verändert hat. Heute heißt die Kreuzung Friedrich-Ebert-Anlage / Hohenstaufenstraße „Platz der Hoffnung“. Alina war früher schon mal hier, das war vor über 20 Jahren im Jahr 2023. Da stand hier noch die gelbe Matthäuskirche. Damals war Alina in der 8. Klasse und wurde hier in der Kirche konfirmiert. Sie war der letzte Jahrgang von Konfirmand*innen, die in der Matthäuskirche eingesegnet wurden. Nach der Schule begann Alina zunächst eine Ausbildung und Meisterprüfung als Konditorin. Später machte sie ihren Master in Urban Citizenship in Amsterdam. Mit 28 Jahren kehrte sie nach Frankfurt zurück.

Alina trinkt einen Schluck von ihrem Tee. Er besteht aus 7 biblischen Kräutern, darunter Minze, Ysopblüten und Rosmarin. Die Kräuter kommen aus dem Hoffnungsgarten, der zwischen den Hochhäusern und der lauten Friedrich-Ebert-Anlage ein Ort der Ruhe und der Einkehr ist. Die „Oase“ ist Alinas erster richtiger Job und ein Volltreffer, wie sie selbst sagt. Das Restaurant für Alle wird von der Stiftung Kap der guten Hoffnung getragen, bestehend aus der evangelischen Hoffnungsgemeinde, der Jina Mahsa Amini-Moschee, der Investorengemeinschaft Prohuman und der Stadt Frankfurt. Wegen der Nähe zum Frankfurter Hauptbahnhof und zur Messe ist die „Oase“ angesagt. In der Zeitschrift „Frankfurt geht aus“ ist sie seit der Eröffnung im Jahr 2029 auf Platz 1.

 

Vorgängerin der „Oase“ war die Kaffeestube Gutleut, ein beliebtes Restaurant im Gutleutviertel, das Menschen mit geringem Einkommen ein Mittagessen für 3,50 € anbot. Doch der Bedarf stieg. Besonders die Inflation in den Jahren 2022 bis 2027 sorgte für großen Zulauf in der Kaffeestube. Die Räumlichkeiten in der Gutleutstraße 131 wurden zu klein und die Hoffnungsgemeinde entschied sich, ihr Angebot zu verdoppeln: Ein Standbein blieb im Gutleutviertel. Dazu wurde das Gemeindezentrum in der Hafenstraße zum interkulturellen Familienzentrum „Zum Hafen“ umgebaut. Neben einem warmen Mittagessen gibt es dort seither Beratungsangebote für Familien, Sprachkurse und einen Ableger des Jobcenters. Das Mietshaus in der Hafenstraße wurde zu einem Mehrgenerationenhaus umgebaut, wo seit 2030 Menschen von 0 bis 90 Jahren in verschiedenen Mietparteien zusammenwohnen.

Aus „Zum Hafen“ entwickelte die Hoffnungsgemeinde mithilfe der Stiftung Kap der guten Hoffnung dann das Projekt „Oase“. Die Projektidee fiel in die Bauphase der Hoffnungskirche, einem einzigartigen Architekturprojekt. Das Gebäudeensemble besteht aus einem Hochhaus mit Büros, Geschäften und sozialem Wohnraum, der modernen lichtdurchfluteten Hoffnungskirche sowie einer großzügigen Erdgeschosszone, in der neben einer Bäckerei, einem Co-Working Space und einer Reparatur-Werkstatt auch das Restaurant „Oase“ beheimatet ist. Im Zentrum des Gebäudeensembles befindet sich ein Garten, der im Winter mit einem Glasdach geschützt wird. Die Solarkollektoren auf dem Dach und an der Fassade von Hochhaus und Kirche decken im Sommer rund 80 % des Energieverbrauchs des Gebäudeensemble; dank der neuen Möglichkeiten Energie zu speichern kann auch im Winter der Bedarf zu rund 60 % gedeckt werden.

Wenn Alina um 18 Uhr das Restaurant schließt, geht sie manchmal noch auf einen Sprung in die Kirche. Dort wird täglich um 18 Uhr ein Gottesdienst zum Feierabend angeboten. Nach anfänglicher Skepsis im Kirchenvorstand sind die Abendgottesdienste mittlerweile fester Bestandteil des Gemeindelebens und immer sehr gut besucht. Am Freitagabend mündet der Gottesdienst in ein gemeinsames Abendessen, das von Jung und Alt gleichermaßen angenommen wird. Während die Älteren dann bei einem Glas Wein über die Abschaffung der Kirchensteuer ab 2045 diskutieren, nutzen die Jüngeren das Abendessen als Aperitif auf dem Sprung in die neuen Clubs des Bahnhofs- und Gutleutviertels.

Haupttreffpunkt für alle Generationen ist allerdings nach wie vor der Sonntagmorgen 11 Uhr. Es gibt einen kurzweiligen, interaktiven Gottesdienst mit neuen und alten Liedern. Bei den vielen Umbrüchen und Veränderungen ist die Musik ein wichtiges Standbein der Gemeinde geblieben. Denn die Hoffnungsgemeinde ist immer noch eine Gemeinde, die gern und viel singt, unterstützt von einer Band und einem Chor von Kinder, Jugendlichen und Studierenden. Die Predigten selbst haben sich geändert. Heute ist es oft ein Dialog, digital oder auch hybrid. Alina kann sich mit ihren Gedanken oft einbringen. Auf jeden Fall ist es nicht starr oder langweilig. Das schätzt Alina sehr.  

Und dann, direkt nach dem Gottesdienst, ist Zeit für Kaffee und Begegnung: Die Hoffnungsgemeinde lädt in die „Oase“ ein, unabhängig davon, ob Menschen vorher im Gottesdienst waren oder nicht. Es ist ein offenes Angebot. Alina steht hinter der Bar und mahlt den Kaffee. Auf diesen Moment freut sie sich die ganze Woche. Nicht nur wegen des guten Kaffees, sondern weil sie spürt, wie besonders dieser Ort ist.

Auf dem Platz der Hoffnung, wo sich die Oase für die Stadt öffnet, da bilden Mensch, Natur und Stadt eine Einheit. Für Alina berühren sich hier Himmel und Erde. 


 

Pfarrerin Dr. Annegreth Schilling hat mutig geträumt

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