03/12/2025 0 Kommentare
Alles neu
Alles neu
# Ho Impulse

Alles neu
Die Winterkollektion ist da. Frisch eingetroffen, alles neu! Die Verkäuferin strahlt mich an. Leider ist der schöne Wintermantel in meiner Größe schon vergriffen. Schade, der hätte mir gefallen. Alles neu! Das ist ein Versprechen, das verlockend klingt. Da will ich gleich zugreifen: Ein Pulli mit buntem Karo-Muster, Schuhe mit dreieckigem Absatz, eine Handtasche aus Cord.
Doch ich merke schnell: So ganz neu ist das alles nicht. Vieles gab es schon früher mal und kommt jetzt wieder in Mode. „Alles neu“ heißt hier meistens: neu zusammengesetzt. Mit neuen Akzenten versehen. Aus neuem Stoff. Oder neu produziert.
„Siehe, ich mache alles neu“ steht als Losung über dem Jahr 2026. Eine christliche Verheißung im Stil einer Werbekampagne? Ich werde stutzig. Denn „neu“ ist ja eher das Gegenteil von dem, was viele mit Kirche und Bibel in Zusammenhang bringen. Die meisten Kirchengebäude sind – wie leider auch unsere Matthäuskirche – in die Jahre gekommen und alles andere als neu. Und auch wenn wir jetzt eine barrierefreie Toilette im 1. Obergeschoss eingebaut oder neu lackierte Außentüren haben (wer hat’s gemerkt?), so ändert das nichts am maroden Grundzustand des Gebäudes. Und auch die Bibel ist keineswegs eine Neuheit. Sie enthält Geschichten, die Menschen vor vielen Jahrtausenden auf dem Weg mit Gott erlebt und dann aufgeschrieben haben. Alles andere als neu. Oder?
Die Jahreslosung, die als Motto über dem Jahr 2026 steht, regt mich an zu einer Inventur: Wie beim Kleiderschrank-Ausmisten schaue ich, wo ich mir wünsche, dass in mir oder in meinen Beziehungen etwas „neu“ wird. Viele fassen wie ich zu Beginn des Jahres Vorsätze und wollen nochmal neu anfangen. Ich weiß, dass die Haltbarkeit dieser Vorsätze selten lange anhält. Dennoch gebe ich den Gedanken nicht auf, mit dem neuen Jahr auch wieder „neu“ anzufangen.
In der Kirche beginnt das neue Jahr schon mit dem 1. Advent. In dieser Zeit bereiten wir uns auf die Ankunft Jesu vor. Die Adventszeit ist eine Zeit, wo ich mit dem inneren Aufräumen beginne und mich frage: Was wünsche ich mir, das neu in mir wachsen soll? Mir hilft es, im Advent morgens eine Kerze anzuzünden und kurz an das zu denken, was vor mir liegt: Menschen, denen ich begegne, Termine, die ich wahrnehme, Räume, die ich betrete. Jeder Tag ist ein Neubeginn, eine kleine Neuschöpfung. Jeden Tag kann etwas Neues in mir wachsen: etwas mehr Geduld, etwas mehr Hoffnung auf Frieden, etwas mehr Liebe für meine Nächsten.
Ich stelle mir vor, wie ich im Advent Stück für Stück näher zur Krippe komme und beim Morgengebet Gott bitte, dieses Stückwerk zu einem Ganzen zusammenfließen zu lassen. Mit der Jahreslosung 2026 spricht Gott mir zu: „Siehe, ich mache alles neu“. Was für eine Entlastung! Ich muss gar nichts „neu“ machen. Gott selbst macht alles neu und ebnet den Weg für mich in ein neues und behütetes Jahr.
Ich wünsche Ihnen viel Freude an der eigenen Inventur im Advent und dann einen entlastenden Sprung ins „neue“ Jahr – Gottes Segen möge Sie und Ihre Lieben begleiten.
Ihre Pfarrerin Annegreth Schilling
Von guten Mächten
Weihnachtsgruß von Dietrich Bonhoeffer aus der Haft im Jahr 1944 an seine Verlobte Maria von Wedemeyer anlässlich einer ungewissen Zukunft
Von guten Mächten treu und still umgeben behütet und getröstet wunderbar so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Noch will das Alte unsre Herzen quälen noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns bereitet hast.
Lass warm und hell die Kerzen heute flammen die du in unsre Dunkelheit gebracht führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.
Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Evangelisches Gesangbuch Nr. 65
Kommentare